Was wir tun

Neben der Selbstverpflichtung seiner Mitglieder setzt sich das Forum Nachhaltiges Palmöl vor allem für die Verbesserung der Zertifizierungssysteme ein. Die derzeit bestehenden und vom FONAP anerkannten Zertifizierungssysteme sind insoweit ausreichend, als dass sie Mindestanforderungen an eine nachhaltige Palmölproduktion definieren. Dennoch haben alle Zertifizierungsstandards weiteren Verbesserungsbedarf, insbesondere hinsichtlich der Transparenz und den konkreten Anforderungen an die Produktion und die Nachhaltigkeit in der Lieferkette. Ziel des FONAP und seiner Mitglieder ist daher, Einfluss auf die bestehenden Systeme zu nehmen und Vorschläge zur Weiterentwicklung und Verbesserung dieser zu erarbeiten. Da die vom FONAP anerkannten Zertifizierungssysteme bislang noch nicht alle Forderungen zur Verbesserung berücksichtigen, haben sich seine Mitglieder freiwillig Zusatzkriterien auferlegt. Im Folgenden werden diese Zusatzkriterien genauer erläutert:

  • Stopp des Anbaus auf Torfböden und anderen Flächen mit hohem Kohlenstoffgehalt
  • Stopp der Nutzung hochgefährlicher Pestizide (Konventionen von Rotterdam und Stockholm, WHO 1a und 1b sowie Paraquat)
  • Anwendung strenger Reduktionsziele für Treibhausgase
  • Sicherstellung, dass zertifizierte Palmölmühlen Rohware (Fresh Fruit Bunches) ausschließlich aus legalem Anbau beziehen
  • Mehr Transparenz in Beschwerdeverfahren 

1. Stopp des Anbaus auf Torfböden und anderen Flächen mit hohem Kohlenstoffgehalt

Der Anbau von Ölpalmen findet in Gebieten rund um den Äquator, häufig auf wertvollen Torfböden statt. Diese Böden speichern hohe Mengen an Kohlenstoffdioxid. Laut einer Studie von Rhein (2015) wird durch das Trockenlegen von Torfland fünf- bis sechsmal so viel Kohlenstoffdioxid freigesetzt, wie durch das Abholzen von tropischen Regenwäldern. Am stärksten betroffen sind Indonesien und Malaysia. Im Jahr 2014 befanden sich etwa 20 Prozent aller Ölpalmplantagen in Malaysia auf trockengelegten Moorgebieten (Wetlands International 2010 cf. Chin 2011), während es in Indonesien sogar 25 Prozent aller Plantagen waren (Brandi et al. 2013). Aufgrund dieser Problematik fordert das FONAP ein klares und vollständiges Verbot von Palmöl-Anpflanzungen auf Torfböden, um die enorme Freisetzung von Treibhausgas einzudämmen und den ökologischen Nutzen von Torfböden zu erhalten. Da diese Forderung jedoch derzeit noch nicht durch die bestehenden Standards abgedeckt ist , setzen sich die Mitglieder des FONAP dafür ein, dass das in ihrer Lieferkette bezogene Palmöl nicht auf Torfböden und anderen Flächen mit hohem Kohlenstoffgehalt, wie zum Beispiel Feuchtgebiete oder Sekundärwälder, angebaut wurde.

2. Stopp der Nutzung hochgefährlicher Pestizide

Aufgrund der mit Pestiziden verbundenen Risiken für Gesundheit und Umwelt setzt sich das FONAP für das Verbot des Einsatzes von hochgefährlichen Pestiziden in der Palmölproduktion ein. Dies bezieht sich insbesondere auf das Unkrautvernichtungsmittel Paraquat, die im Anhang der Konventionen von Rotterdam und Stockholm gelisteten Pestizide und solche, die durch die WHO als „extrem gefährlich“ (WHO Klasse 1A) oder „hochgefährlich“ (WHO Klasse 1B) eingestuft wurden. Das hochgiftige Paraquat schädigt Nieren, Leber und Atemwege und kann Krebs sowie Parkinson auslösen (Rettet den Regenwald e.V. 2013). Daher ist das Pestizid in vielen Ländern, mittlerweile auch in Malaysia, verboten worden. In Indonesien, dem weltweit größten Produzenten von Palmöl, wird das Pestizid jedoch weiterhin in der Palmölproduktion eingesetzt (Knoke und Inkermann 2015). Um dieser Problematik entgegenzuwirken, streben die Mitgliedsunternehmen des FONAP durch regelmäßige Gespräche mit ihren Lieferanten an, dass bei der Herstellung des von Ihnen bezogenen Palmöls keine hochgefährlichen Pestizide verwendet werden.

3. Anwendung strenger Reduktionsziele für Treibhausgase

Die weltweite Palmölproduktion leistet weiterhin einen entscheidenden Beitrag zur Freisetzung von großen Mengen an gespeichertem Kohlendioxid. Indonesien stand im Jahr 2015 an vierter Stelle der weltweit größten Emittenten von klimaschädlichen Treibhausgasen. Fast 80 Prozent der Emissionen ließen sich auf Entwaldung, Brandrodung, Landnutzungsänderungen und Trockenlegung von Torfböden zurückführen (Rhein 2015). Da die Reduzierung von Treibhausgasen noch nicht als Ziel aller Zertifizierungssysteme festgelegt wurde, nimmt der Palmöl-verwendende Markt eine wichtige Rolle bei der Einforderung der Senkung von Emissionen ein. Die FONAP-Mitglieder fordern schon heute von ihren palmölproduzierenden Lieferanten die Reduzierung von Treibhausgasen und führen hierzu Gespräche mit ihren Lieferanten.

4. Ausschließliche Verwendung von Ölpalmfrüchten (Fresh Fruit Bunches) aus legalem Anbau

Die meisten Mühlen beziehen zertifizierte und konventionelle Ölfrüchte, sogenannte Fresh Fruit Bunches (FFB). Mühlen können so zum Beispiel nach Massen Bilanz zertifiziertes Palmöl herstellen. Bei konventioneller Ware ist die Rückverfolgbarkeit aber nicht gegeben und so kann es sein, dass auch Ölfrüchte in die Produktion gelangen, die aus illegaler Produktion stammen. Das heißt, dass sie auf Land geerntet wurden, das nicht für den Anbau von Ölpalmen genehmigt war und für das die Produzenten kein Landrecht haben. Alle Produzenten - große Plantatgenbetreiber und Kleinbauern - müssen für diejenigen Landflächen, die sie für den Anbau von Ölpalmen nutzen, das jeweilige Landrecht vorweisen können. Darüber hinaus dürfen sie auf den Flächen keinesfalls Brandrodung betreiben und müssen auf ihren Plantagen aktiv Umweltmanagement betreiben. Ölpalmen dürfen ebenfalls nicht in geschützten Gebieten (sogenannten High Conservation Value areas) und Torfboden bis zu einer gewissen Tiefe angepflanzt werden. Halten Produzenten sich nicht an diese Vorschriften, ist der Anbau von Ölpalmen auf den jeweiligen Flächen illegal. Problematisch ist allerdings, dass Fresh Fruit Bunches aus illegalem Anbau durch unabhängige Dritte, wie Zulieferer und Zwischenhändler, noch immer unkontrolliert in die Lieferketten zertifizierter Unternehmen gelangen, die den Rohstoff anschließend weiterverarbeiten. Die Koalition verschiedener Nichtregierungsorganisationen „Eyes on the Forest“ hat in der Provinz Riau in Indonesien zwischen 2012 und 2014 die Lieferkette von illegal produzierten FFBs beobachtet. Die FFBs wurden innerhalb eines geschützten Gebiets in der Provinz Riau angebaut und an Crude Palm Oil (CPO) Mühlen und Raffinerien geliefert. Das produzierte Palmöl konnte so in die Lieferketten von weltweit agierenden Palmöl-Lieferanten gelangen. Fehlende verantwortungsvolle Regierungsführung und die geringe Durchsetzung von Rechtsvorschriften in Indonesien begünstigen so großflächige, illegale Waldrodungen und die Entstehung illegaler Palmölplantagen (Eyes on the Forest 2016). Laut des indonesischen Forstministers sind im Jahr 2014 50 Prozent aller Palmölplantagen in der Provinz Riau illegal angelegt worden (ANTARA News 2014). Um dem illegalen Anbau von FFBs durch Kleinbauern entgegenzuwirken, hat das FONAP die Sicherstellung, dass zertifizierte Palmölmühlen auch nicht-zertifizierte Fresh Fruit Bunches ausschließlich aus legalem Anbau beziehen, daher als zusätzliches Kriterium aufgenommen.