Supply Chain Zertifizierung nach RSPO

RSPO Supply Chain Zertifizierung

RSPO Supply Chain Certification (SCC)

+++Achtung: Der RSPO SCC Standard wurde im Dezember 2014 in einer neuen Version veröffentlicht. Die untenstehenden Beschreibungen beschreiben noch den alten Standard. Die aktualisierung dieser Seite findet zeitnah statt.

Die aktuelle Version des SCC Standard können Sie hier herunterladen (auf Englisch)

Eine Liste mit den Änderungen auf Deutsch können Sie hier herunterladen.

Eine detailliertere Liste mit den Änderungen auf Englisch können Sie hier herunterladen.

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Wer braucht eine Supply Chain Zertifizierung (Supply Chain Certification- SCC)

Alle Akteure, welche in den rechtmäßigen Besitz von RSPO zertifiziertem Palmöl gelangen und physisch mit dem Palmöl umgehen.

Es gibt 4 Modelle in denen das Palmöl gehandhabt werden kann:

  1. Identity Preserved
  2. Seggregated
  3. Mass Balance
  4. Book and Claim (Wenn man ausschließlich Zertifikate über Book and Claim kauft braucht man jedoch keine Supply Chain Zertifizierung nach RSPO, sondern hier gelten andere Regeln, siehe: http://www.greenpalm.org/en/the-market/greenpalm-audits)

Einen Überblick über die Handelsmodelle finden Sie hier

Voraussetzungen

Allgemeine Anforderungen

Was sind die allgemeingültigen Voraussetzungen um sich nach SCC Zertifizieren zu lassen?

  • Das Unternehmen muss Mitglied im RSPO sein (entweder der Standort selber oder das Mutterunternehmen);
  • Das Unternehmen kann nur das gleiche Handelsmodell wie sein Zulieferer benutzen (IP, SG oder MB), oder auf einen weniger striktem Handelsweg umstellen (Regel: IP>SG>MB);
  • Dokumentation der Prozeduren:

Der Standort muss über dokumentierte Prozeduren und/oder Arbeitsanweisungen verfügen um darlegen zu können, dass alle notwendigen Schritte für eine erfolgreiche SCC Zertifizierung umgesetzt werden.

Mindestens die folgenden Angaben müssen in der Dokumentation enthalten sein:

    • Vollständige und aktuelle Beschreibung der Prozeduren für die Umsetzung aller Anforderungen im Rahmen der SCC Zertifizierung. Dies beinhaltet auch die waren Ein- und Ausgänge und der beweis, dass das Topmanagement des Unternehmens die Zertifizierung unterstützt;
    • Vollständige und aktuelle Aufzeichnungen und Berichte, welche darlegen, dass die Anforderungen des jeweiligen Handelsmodells eingehalten werden (dies Beinhaltet auch Trainingsdokumente);
    • Eine Person im Unternehmen muss für die SCC-Zertifizierung Verantwortung unternehmen und diese Person muss dazu im Stande sein die Prozeduren zur Einhaltung der SCC Anforderungen zu beschreiben und Anweisungen dazu zu geben.
  • Einkauf

Beim Einkauf von RSPO Palmöl/ Produkten müssen folgende Bedingungen erfüllt werden:

    • Dokumentation darüber, dass die eingekauften Produkte nach dem richtigen Handelsmodell zertifiziert sind (IP, SG oder MB), e.g. Spezifikationen in den Einkaufsdokumenten, den Produktbeschreibungen oder Verträgen;
    • Genaue Prüfung ob die Produkte zertifiziert sind und dass das Zertifikat des Verkäufers gültig ist und die Art des Produktes im Zertifikat enthalten ist (Dies kann über die RSPO Webseite oder das eTrace Sytem erfolgen);
    • Raffinerien müssen ihre Warenströme beim eTrace System eingeben;
    • Ein Mechanismus für den Umgang mit nicht-konformen Produkten/ Dokumenten muss bestehen, dies gilt auch für den Umgang mit Produkten deren Zertifikate sich als nicht gültig herausgestellt haben.

 

  • Outsourcing:

Outsourcing Regelungen gelten für folgende Outsourcing Aktivitäten: Lagerung, Transport, Verarbeitung. Sie gelten nicht für Outsourcing Aktivitäten bei denen das Lagerungs-Management bei dem Unternehmen selber liegt (nicht bei der Firma bei der Outsourct wurde).

Das Unternehmen muss garantieren können, dass das Outsourcing Unternehmen die SCC RSPO Anforderungen erfüllt:

    • Das Unternehmen gibt den rechtmäßigen Besitz der Produkte nicht ab,
    • Die Verantwortung für die Produkte wird nicht an das Outsourcing Unternehmen übertragen, 
    • Es gibt einen schriftlichen Vertrag zum Outsourcing,
    • Die Auditoren können, falls erwünscht, jederzeit Audits bei dem Outsourcing Unternehmen durchführen, d.h. der Zugang zur Stätte ist jederzeit möglich,
    • Es gibt klar definierte Prozeduren die von beiden Vertragspartnern verstanden und umgesetzt werden,
    • Die Kontaktdaten des Outsourcing Unternehmens wurden dokumentiert und die Kontaktdaten werden laufend aktualisiert.

 

  • Verkauf der RSPO Produkte:

Alle Verkaufsdokumente müssen mindestens die folgenden Daten enthalten:

    • Name und Adresse des Käufers,
    • Name und Adresse des Verkäufers,
    • Das Datum der Beladung oder Zustellung,
    • Das Datum an dem die Dokumente ausgestellt wurden,
    • Eine Beschreibung des Produktes, inklusive des Handelsmodells (IP, SG oder MB),
    • Die Quantität an verkauftem Produkt,
    • Dokumentation des Transportes,
    • Die Chargennummer,
    • Die Referenz-Nummer der SCC Zertifizierung.
  • Die Zertifikat-Nummer des Zertifizierungsunternehmen die bestätigt, dass das Unternehmen konform produziert, muss auf allen relevanten Dokumenten angegeben werden,
  • Ein Fortbildungsprogramm für Mitarbeiter muss ausgearbeitet werden und die Dokumentation der Fortbildungen vorliegen:
    • Der Trainingsplan wird den Anforderungen laufend angepasst und Berichte über die Fortbildungen werden erstellt,
    • Alle Mitarbeiter welche für die Umsetzung der SCC Anforderungen zuständig sind werden geschult
  • Dokumentation der rechtmäßig verwendeten Claims und des Einsatzes des RSPO Trademarks;
  • Alle Dokumente müssen mindestens 5 Jahre aufbewahrt werden
  • Umrechnungsfaktoren:
    • Konversionsraten müssen dann angewendet werden, wenn Derivate aus Palmöl und Palmkernöl hergestellt werden. Unternehmen können eigene Konversionsraten festlegen, welche auf Erfahrungswerten bei der Produktion basieren. Diese müssen dokumentiert und stets angewendet werden.
    • Eine Tabelle mit Richtwerten für die Konversion befindet sich auf der Webseite des RSPO.
    • Die Konversionsraten müssen regelmäßig getestet werden, um den aktuellen Produktionsleistungen oder gegebenenfalls dem Industriedurchschnitt angepasst zu werden.

Zusätzliche Voraussetzungen

Zusatzmodule

Zusätzlich zu den allgemeingültigen Voraussetzungen für eine SCC Zertifizierung müssen Unternehmen mindestens eins der folgenden Module umsetzen:

Modul A - Identity Preserved (IP)

Modul B - Segregation (SG)

Modul C - Mass Balance (MB)

Modul D - Segregation (IP) Palmöl-Mühle

Modul E - Mass Balance Palmöl-Mühle

Modul F - Multi-Site-Zertifizierung

Modul G - Gruppenzertifizierung

 

Es können auch mehrere Module gleichzeitig umgesetzt werden.

Modul A

Modul A

Identity Preserved

  • Dokumentierte Nachweis, dass das zertifizierte Palmöl bis zu einer Mühle rückverfolgbar ist
  • Das Palmöl ist physisch getrennt von allem anderen Palmöl im Unternehmen

Modul B

Modul B

Segregation (SG)

  • Das Unternehmen muss dokumentarisch nachweisen können, dass das Palmöl ausschließlich aus zertifiziertem Material stammt
  • Das Palmöl wird getrennt von nicht-zertifiziertem Palmöl und MB Palmöl im Unternehmen gehandhabt
  • SG Produkte können zu jeder Zeit mit anderen SG Produkt gemischt werden.

Modul C

Modul C

Mass Balance (MB)

  • Das MB Supply Chain Modul überwacht den Handel mit zertifiziertem Palmöl administrativ
  • MB Palmöl kann nur für je einen Produktionsstandort abgewickelt werden
  • Modul C erlaubt es zertifiziertes Palmöl mit nicht-zertifiziertem Palmöl auf jeder Stufe der Wertschöpfungskette zu mischen, vorausgesetzt die Mengen werden kontrolliert und dokumentiert

Im Modul C gibt es 4 Optionen die Ware zu handhaben:

Option 1: Datentransfer (Transfer of Data)

  • Ein Unternehmen kauft ein RSPO Produkt als MB und erhält es physisch
  • Die Quantität des RSPO Produktes /MB wird dokumentarisch im Wareneingang festgehalten
  • Das physische MB Produkt kann ab diesem Zeitpunkt als nicht zertifizierte Ware verkauft werden
  • An irgendeinem Zeitpunkt in der Zukunft (zeitlich nicht begrenzt) kann ein Palmöl Produkt als MB Palmölprodukt verkauft werden (vorausgesetzt die Dokumentation im Wareneingang wird dann als MB-Ausgang dokumentiert)

Beispiel: Das Unternehmen kauft 1000 Tonnen MB Palmöl, um es in Margarine einzusetzen. Da es gerade keine Bestellung für Margarine mit MB zertifiziertem Palmöl hat, verbucht das Unternehmen die 1000t Palmöl in seinen Büchern und verwendet das MB Palmöl in seinem aktuellen Produktionsprozess als konventionelles Palmöl. Ein halbes Jahr später geht eine Bestellung für 1000t Margarine mit MB Palmöl beim Unternehmen ein. Das Unternehmen trägt in diesem Moment die 1000t Palmöl in seinen Büchern als Warenausgang ein, und kann die 1000t Margarine als MB Margarine verkaufen. In seinen Büchern sind jetzt 0t MB Palmöl verbucht.

Option 2: Physikalisch (Physical)

  • Ein MB Produkt wird eingekauft
  • Das MB Produkt wird getrennt von allen anderen Produkten gelagert/ gehandhabt
  • Das MB Produkt wird in einem bestimmten Produkt eingesetzt

Bemerkung: Ein Unternehmen das sich für diese Option entscheidet kann seine Produktion sehr einfach auf SG Palmöl umstellen, da SG Palmöl auf die gleiche Weise gemanagt wird.

Option 3: Substitution

  • Unternehmen können jedes IP oder SG Produkt kaufen, um dann den Verkauf gleicher Mengen an MB Produkt zu deklarieren (Verhältnis 1:1)
  • Das hergestellte MB Palmöl-Produkt muss nicht aus dem gekauften IP oder SG Palmöl hergestellt werden
  • Zum Beispiel kann das Unternehmen 20t Palmöl in SG kaufen und MB Palmöl-Derivate in Höhe von 20t (welche es vielleicht nicht in SG, IP oder MB Qualität auf dem Markt gibt) verkaufen
  • Palm Fatty Acids (PFAD) können unter dieser Option verkauft werden
  • Es ist nicht erlaubt Palmölprodukte zu kaufen und dann als Palmkernölprodukte zu verkaufen, es muss eine strikte Trennung zwischen Palmöl und Palmkernöl vorgenommen werden

 

Für Option 3 /Substitution gilt folgende Umrechnungstabelle:

Modul C Option 4

Option 4: Harmonisation (Harmonization)

  • Einkauf von Palmöl in MB oder Palmkernöl in MB und Verkauf von Produkten mit einer Verrechnung nach untenstehender Tabelle
  • Etwaige Verluste bei der Produktion werden bei dieser Option nicht berücksichtig
  • PFAD kann bei dieser Option nicht als MB verkauft werden.

Für Palmöl unter der Option 4 / Harmonisation gelten folgende Umrechnungsfaktoren:

Bild PKO

Für Palmkernöl unter der Option 4 / Harmonisation gelten folgende Umrechnungsfaktoren:

Modul D und E

Modul D und Modul E

Segregation (IP) Palmöl- Mühle und Mass Balance Palmöl-Mühle

Werden an dieser Stelle nicht ausführlich behandelt, da sie nur für Palmöhl-Mühlen relevant sind.

Modul F

Modul F

Multi-Site-Zertifizierung

  • Für Organisationen mit mehreren Standorten möglich, alle Firmen der Multi-Site-Zertifizierung müssen jedoch Teil derselben juristischen Person sein
  • Die Einheiten werden nach Sets aufgeteilt, wobei Sets ähnliche Verarbeitungsschritte beinhalten und daher von gemeinsamen Management-Systemen ausgegangen wird. Zu Sets zusammengefasst werden können demnach: Raffinerien, Herstellung, Verarbeitung, Supermärkte
  • Die Multi-Site-Zertifizierung kann über Landesgrenzen hinaus erfolgen (z.B. Fabrik in Holland und Fabrik in Deutschland), die geografische Region muss jedoch definiert werden
  • Alle Einheiten eines Sets müssen nachweisen, dass sie zu dem gleichen Central-Office gehören
  • Das Central-Office muss darlegen wieso die Multi-Site Zertifizierung bei den Sets in Frage kommt
  • Die Anzahl und Namen der Standorte müssen klar benannt werden
  • Die Supply Chain Modelle müssen definiert werden
  • Die Art der Operationen müssen aufgeführt werden
  • Ein internes Kontrollsystem für das Management und die Umsetzung des RSPO SCC Standards muss vorliegen
  • Das Interne Kontrollsystem muss umgesetzt und dokumentiert werden
  • Die Buchführung im Massenbilanz-Modell (MB) kann nur je für einen Standort erfolgen

Modul G

Modul G

Gruppenzertifizierung

  • Mehrere Unternehmen können sich zusammenschließen und eine gemeinsame SCC Zertifizierung durchführen 
  • Die Kosten für die SCC Zertifizierung werden unter den Gruppenmitgliedern geteilt
  • Ein Gruppen-Management muss bestehen und ein Gruppenmanager ernannt werden
  • Der Gruppenmanager ist für das interne Kontrollsystem zuständig 
  • Unternehmen welche sich zu einer Gruppenzertifizierung zusammenschließen wollen, müssen folgende Kriterien erfüllen:
    • rechtlich unabhängige Betriebe
    • Verbrauch von bis zu 500t Palmölprodukten im Jahr
    • Maximal sind 50 Personen im Betrieb beschäftigt.
  • Die Gruppenzertifizierung ist nicht auf Länder beschränkt, sondern kann über Landesgrenzen hinaus erfolgen (z.B. Betriebe in Österreich und Deutschland) 
  • Die Gruppenmitglieder müssen eine schriftliche Erklärung abgeben, welche folgende Klauseln enthält:
    • Zur Kenntnisnahme und Einverständnis mit den Voraussetzungen und Bedingungen einer Gruppenzertifizierung o Einverständnis für die gesamte Laufzeit des Zertifikates der Gruppenzertifizierung Gruppenmitglied zu bleiben 
    • Bestätigung der Übereinstimmung mit den SCC Anforderungen 
    • Einverständnis, dass der Gruppenmanager sich im Namen des Unternehmens bewirbt
    • Einverständnis, dass der Gruppenmanager, oder Personal vom Gruppenmanager, sowie Auditoren jederzeit Zugang zum Unternehmen und Einsicht in Dokumente welche in Verbindung mit dem RSPO Produkt stehen erhalten
    • Einverständnis, dass der Gruppenmanager und sein Personal ständig aktualisierte Kontaktdaten zum Unternehmen erhalten. 
  • Gruppenmitglieder müssen beweisen können, dass sie die Kriterien der SCC Zertifizierung einhalten können, bevor sie Mitglied in der Gruppenzertifizierung werden
  • Sollten die Verbrauchsmengen wieder erwarten mehr als 500t betragen, muss der Unternehmer den Gruppenmanager darüber informieren, die Gruppe verlassen und eine eigene SCC Zertifizierung durchführen
  • Die Kosten für den RSPO Beitritt als "Associate member" werden von der Gruppenenheit getragen. Die Gruppeneinheit kann sich auch freiwillig für eine normale RSPO Mitgliedschaft entscheiden und so zusätzliche Rechte innerhalb des RSPO wahrnehmen (z.B. Abstimmungen bei der General Assembly).

Weitere Informationen zum Ablauf und den Regelungen bei einer Gruppenzertifizierung können Sie dem RSPO SC Group Certfication Modul G entnehmen.

 

Lesen Sie auch die Häufig gestellten Fragen zur SCC Zertifizierung.