Herausforderungen im Palmölanbau

Regenwaldzerstörung

Einer der Hauptgründe, warum Palmöl in der Kritik steht, liegt im Anbau der Ölpalme in Regenwaldregionen. Zum Anbau der Ölpalme werden unter anderem wertvolle Primärwälder abgeholzt. Rund 85 % der Weltproduktion stammen aus zwei Produktionsländern, nämlich Malaysia und Indonesien, die besonders stark von der Abholzung betroffen sind.

Die Flächenexpansion geht auf eine gesteigerte Nachfrage nach Palmöl zurück, vor allem in Indien, Indonesien und China wird vermehrt nach Palmöl nachgefragt, da in diesen drei Ländern ein hohes Bevölkerungs- und wirtschaftliches Wachstum stattgefunden hat und noch weiter zunehmen wird. Palmöl wird in diesen Ländern vor allem als preisgünstiges Öl zum Kochen, Frittieren und Braten genutzt. China, Indonesien und Indien alleine nutzen 41% des weltweit gehandelten Palmöls. Doch auch in den westlichen Ländern kam es in den vergangenen 20 Jahren zu einer vermehrten Nachfrage nach Palmöl, vor allem weil sich Palmöl, aufgrund seiner besonderen technologischen Eigenschaften und seinem günstigen Preis, sehr gut für die Herstellung von Fertigprodukten eignet. Die EU ist derzeit der viertgrößte Verbraucher von Palmöl, mit einer Importmenge von 5,67 Millionen Tonnen im Jahr 2013, das entspricht etwa 10% der Weltproduktion.

Die Zerstörung der Regenwälder führt außerdem zu einem hohen Verlust an Biodiversität, so wird zum Beispiel vor allem der Lebensraum der Orang-Utans zerstört, die heute vom Aussterben bedroht sind.

Brandrodung

Eine weitere Folge der Regenwaldzerstörung ist die Zunahme an Kohlendioxid in der Atmosphäre. Um die landwirtschaftlichen Flächen für den Palmölanbau vorzubereiten, findet leider oft eine Brandrodung statt, wobei vor allem die Torfböden gespeichertes Kohlendioxid in großen Mengen freisetzen. Dies hat dazu geführt, dass Indonesien in der Zwischenzeit der drittgrößte Erzeuger von Treibhausgasen ist, mit 3 Milliarden Tonnen, hinter den USA mit 6 Milliarden Tonnen und China mit 5 Milliarden Tonnen.

Doch auch Gesundheitsschädigende Aspekte gehen mit der Brandrodung einher. So kam es im Juni/ Juli 2013 wegen der Brandrodung zu einer solchen Smogentwicklung, dass in Malaysia und Singapur eine Warnung wegen gesundheitsschädlicher Luftverschmutzung ausgesprochen werden musste. Der Smog wurde zum größten Teil von der Brandrodung von Regenwäldern in Indonesien für die anschließende Palmölproduktion ausgelöst.

Menschenrechtsverletzungen

Meldungen aus den Anbaugebieten bestätigen, dass indigene Völker von ihren Ländern vertrieben und somit ihrer Lebensgrundlage beraubt werden. Wer sich für die Arbeit auf den Palmölplantagen entscheidet, wird oft nicht ausreichend bezahlt. Plantagenarbeiter leben oft mit ihren Familien inmitten tausender Hektars Palmölplantagen, ohne viel Kontakt zum Leben außerhalb der landwirtschaftlichen Tätigkeiten, weshalb es auch wichtig ist einen Blick auf den Zugang zu Bildung für ihre Kinder zu achten. 

Menschenrechtsverletzungen kommen vor allem in Indonesien vor, werden jedoch auch zunehmend aus Lateinamerika und Afrika berichtet.

Wieso wollen wir nicht ganz auf Palmöl verzichten?

Trotz vieler Herausforderungen ist der Anbau der Ölpalme nicht grundsätzlich schlecht. Die Ölpalme hat den höchsten Ertrag aller Ölpflanzen und produziert als einzige Nutzpflanze sogar zwei verschiedene Öle die für die Industrie sehr interessant sind. Für die gleiche Ölmenge welche auf 1 Hektar Ölpalmenfeld erzeugt wird, bräuchte man 3 ha Rapsfelder, 4 ha Sonnenblumenfelder, 4,7 ha Sojafelder oder 7 ha Kokospalmenfelder (Siehe hierzu auch das Factsheet des WWF: Pflanzenöl braucht Fläche) . Unter dem Gesichtspunkt der steigenden Weltbevölkerung und des wirtschaftlichen Wachstums der Verbraucherländer (vor allem China und Indien), welches mit einer steigenden Nachfrage nach Lebensmitteln einhergeht, ist die gute Flächenleistung der Ölpalme eine gute Voraussetzung um die steigende Nachfrage nach Pflanzenölen bedienen zu können. Die Förderung von anderem Pflanzenöl anstatt Palmöl, würde nur zu ähnlichen Problemen in anderen Ländern der Welt führen (so zum Beispiel zu Regenwaldrodung für den Sojaanbau in Brasilien). Auch Raps, welches das wichtigste europäische Pflanzenöl ist, hat eine viel geringere Flächenleistung als Palmöl und könnte die steigende Nachfrage nach Pflanzenölen kaum decken.

Die Flächen die für den Anbau der Ölpalme genutzt werden dürfen jedoch nicht auf Kosten der Umwelt umgewandelt werden, sondern allein ein Anbau auf Brachflächen, (stillliegendem) landwirtschaftlich nutzbarem Land und Flächen mit niedrigem Kohlenstoffgehalt angebaut wird. Dieses Problem der Landnutzung muss vor allem von den Regierungen in den Anbauländern aufgegriffen werden, ebenso aber von Produzenten und Verbrauchern. Europa kann bei der Nutzung von zertifiziertem Palmöl eine Vorreiterrolle einnehmen, muss jedoch auch weiter die Nachfrage nach nachhaltigem Palmöl steigern, um den Produzenten Anreize zu setzen die nachhaltige Produktion auszubauen.

Die Palmölproduktion ist darüber hinaus ein wichtiger wirtschaftlicher Faktor in den Anbauländern. Der internationale Handel mit Palmöl bringt den Ländern wertvolle Devisen ein, darüber hinaus schafft der Palmölanbau aber auch wichtige Arbeitsplätze. Die Ernte der Palmfrüchte kann nicht mechanisiert werden, weshalb sehr viele Arbeitskräfte für die Ernte der Fruchtbüschel, die etwa 15 Mal im Jahr erfolgt, eingestellt werden. Im Palmölanbau geht man von einem Bedarf von 20 Arbeitstagen für die Produktion von 10 Tonnen Palmöl aus, im Vergleich dazu benötigt man bei Soja zum Beispiel nur 0,7 Arbeitstage für die Produktion von 10 Tonnen Sojaöl (Scholz, 2004). Diese Arbeitsplätze werden vor allem in den ländlichen Regionen benötigt. Klar ist dabei auch, dass die Feldarbeiter einen Mindestlohn beziehen müssen und das internationale Arbeitsrecht eingehalten werden muss.

Wie kann man den Anbau der Ölpalme nachhaltiger gestalten?

Aufgrund der weltweiten Kritik an den Praktiken im Palmölanbau haben sich in den letzten Jahren verschiedene Zertifizierungssysteme (u.a. RSPO - Round Table of Sustainable Palm Oil, Rainforest Alliance, ISCC - International Sustainability & Carbon Certification) entwickelt, die sich zur Aufgabe gemacht haben den Anbau von Ölpalmen nachhaltiger zu gestalten.

Der Roundtable on Sustainable Palm Oil (RSPO) ist ein Zertifizierungssystem welches 2004 gegründet wurde und den ersten Schritt zur Entwicklung von Nachhaltigkeitskriterien für die Palmölproduktion gemacht hat. Der RSPO ist ein internationaler Zusammenschluss aus Palmölproduzenten, Händlern, Industrieunternehmen, Banken und Nichtregierungsorganisationen. Diese Akteure erarbeiten gemeinsam Regeln, Prozesse und Zertifizierungskriterien für nachhaltiges Palmöl. Seit November 2008 sind erste Mengen zertifiziertes Palm(kern)öl kommerziell verfügbar.

Im Jahr 2013 wurden 9,5 Millionen Tonnen Palmöl (14% des Palmöls auf dem Weltmarkt) durch den RSPO zertifiziert, kein anderes Zertifizierungssystem hat diese Reichweite.

Unter anderem gelten folgende RSPO Prinzipien und Kriterien für nachhaltiges Palmöl:

  • Keine Rodung von besonders schützenswerten Wäldern für neue Plantagen 
  • Umweltbewusste Produktion
  • Respektierung der Rechte der lokalen Bevölkerung
  • Respektierung von Arbeitnehmerrechten

Neben dem RSPO werden auch andere Zertifizierungssysteme für den nachhaltigen Palmölanbau genutzt, unter anderem ISCC (vor allem für Bioenergie) und der SAN Standard der Rainforest Alliance.

Zertifizierungssysteme sind ein Teil der Lösung zu einer nachhaltigeren Palmölproduktion, sie können jedoch auch nicht alle Probleme im Sektor allein lösen. Der RSPO geht vielen Mitgliedern noch nicht weit genug, da er den Anbau auf Torfböden, welche viel Kohlenstoff speichern und damit wichtig im Kampf gegen den Klimawandel sind, erlaubt, die Verwendung von hochgiftigen Pflanzenschutzmitteln zulässt und nicht transparent genug in Bezug auf die Beschwerdenverfahren ist.

Das FONAP setzt sich daher auch für die Verbesserung der Zertifizierungssysteme ein.

Wo setzt das FONAP an um die Situation im Palmölsektor zu verbessern?

Das Forum nachhaltiges Palmöl (FONAP) sendet, durch die Selbstverpflichtung seiner Mitglieder, ein klares Signal an die Produktionsländer, dass die Unternehmen in Deutschland ihre Verantwortung in den globalen Lieferketten wahrnehmen und die sozialen, ökonomischen und ökologischen Bedingungen in den Anbauländern verbessern wollen. Die verstärkte Nachfrage nach nachhaltig zertifiziertem Palmöl, so ist der Gedanke dahinter, wird langfristig zu Veränderungen der Praktiken im Palmölsektor führen.

Neben der Selbstverpflichtung seienr Mitglieder, wird sich das FONAP für die Verbesserung der Zertifizierungssysteme einsetzen, da diese nicht alle Forderungen der Mitglieder des FONAP erfüllen.

Als Verbesserungsmaßnahmen in den Zertifizierungssystemen fordert das FONAP unter anderem:

  • Stopp des Anbaus auf Torfböden und anderen Flächen mit hohem Kohlenstoffgehalt
  • Stopp der Nutzung hochgefährlicher Pestizide (Konventionen von Rotterdam und Stockholm, WHO 1a und 1b sowie Paraquat)
  • Anwendung strenger Reduktionsziele für Treibhausgase
  • Sicherstellung, dass zertifizierte Palmölmühlen beim Bezug von nicht-zertifizierter Rohware (Fresh Fruit Bunches) diese ausschließlich aus legalem Anbau beziehen
  • Mehr Transaprenz im Beschwerdenverfahren

Deutschland ist mittlerweile, mit 179 der 1362 Mitglieder (Stand: November 2013), das größte Mitgliedsland im RSPO. Schließen sich die deutschen, beziehungsweise die europäischen, Unternehmen zusammen, um gemeinsame Verbesserungsvorschläge in den Zertifizierungssystemen einzubringen, steigen die Chancen die Situation im Palmölsektor nachhaltig zu verbessern.