Zertifizierungssysteme für Palmöl

Zertifizierungssysteme für Palmöl

Aufgrund der weltweiten Kritik an den Praktiken im Palmölanbau haben sich in den letzten Jahren verschiedene Zertifizierungssysteme entwickelt, um den Anbau von Ölpalmen nachhaltiger zu gestalten.

Zertifizierungssysteme sind ein Teil der Lösung zu einer nachhaltigeren Palmölproduktion, sie können jedoch auch nicht alle Probleme im Sektor allein lösen. Der RSPO, das derzeit am meisten genutzte Zertifizierungssystem für nachhaltigeres Palmöl, geht vielen Mitgliedern noch nicht weit genug, da er den Anbau auf Torflandschaften, welche viel Kohlenstoff speichern und damit wichtig im Kampf gegen den Klimawandel sind, erlaubt, die Verwendung von hochgiftigen Pflanzenschutzmitteln zulässt und sein Beschwerdenmechanismus nicht sehr transparent ist.

Das FONAP sieht Zertifizierungssysteme, trotz aller Kritik, als ersten Schritt hin zu nachhaltigem Palmöl. Derzeit werden 4 Zertifizierungssysteme vom Forum Nachhaltiges Palmöl akzeptiert:  ISCC PLUS, Rainforest Alliance, RSB und RSPO. Trotz der Akzeptanz dieser Zertifizierungssysteme arbeitet das FONAP auch daran, diese Zertifizierungssysteme weiter zu verbessern (Was wir dafür tun).

Untenstehend finden Sie einen Überblick über die 4 Zertifizierungssysteme die vom FONAP akzeptiert werden.

Unser Factsheet bietet einen schnellen Überblick über die Zertifizierungssysteme: Factsheet Vergleich der Zertifizierungssysteme

RSPO

RSPO

Roundtable On Sustainable Palm Oil

Der Roundtable on Sustainable Palm Oil (Runder Tisch für Nachhaltiger Palmöl - RSPO) ist ein gemeinnütziger Verein, mit Sitz in Zürich, welcher Interessengruppen aus 7 Sektoren der Palmölindustrie zusammenführt; Palmöl-produzenten, die Palmöl verarbeitende Industrie und Händler, Hersteller von Konsumgütern, Einzelhändler, Banken und Investoren, sowie Nichtregierungs-organisationen mit umwelt- und sozialem Hintergrund. Der RSPO wurde im Jahr 2004 mit dem Ziel gegründet einen nachhaltigen Standard für Palmöl zu entwickeln und umzusetzen und das Engagement der Interessensgruppen voranzutreiben. Der RSPO vergibt seit 2008 einen Standard für nachhaltig produziertes Palmöl, welcher auf 8 Prinzipien und 43 Kriterien beruht und derzeit weltweit der am meisten genutzte Standard für nachhaltig produziertes Palm(kern)öl ist. Etwa 14 % des weltweit gehandelten Palmöls wird durch den RSPO zertifiziert. Deutschland ist mit etwa 179 Mitgliedern das Land mit den meisten Mitgliedern im RSPO (insgesamt derzeit etwa 1200 Mitglieder).

Der RSPO hat 8 Prinzipien und 43 praktische Kriterien (RSPO P&K) zur Definition einer nachhaltigen Produktion von Palmöl entwickelt. Sie sollen gewährleisten, dass die Grundrechte der indigenen Landbesitzer, der Gemeinschaften vor Ort, der Mitarbeiter in den Anbaubetrieben, der Kleinbauern und deren Familien, respektiert und in vollem Umfang berücksichtigt werden. Außerdem sollen sie garantieren, dass seit November 2005 keine weiteren Regenwaldareale oder schützenswerte Gebiete für die Produktion von Palmöl gerodet werden und dass die Mühlen und Anbaubetriebe ihre Umweltbelastungen so niedrig wie möglich halten.

Folgende 8 Prinzipien müssen von den RSPO-Mitgliedern eingehalten werden:

  1. Bekenntnis zu Transparenz
  2. Einhaltung von Gesetzen und sonstigen rechtlichen Bestimmungen, zum Beispiel die rechtmäßige Nutzung von Anbauflächen
  3. Bekenntnis zu langfristiger wirtschaftlicher Tragfähigkeit
  4. Anwendung angemessener, bewährter und vorbildlicher Methoden durch anbauende Betriebe und Mühlen, zum Beispiel zur langfristigen Wahrung der Bodenfruchtbarkeit und Erosionsvermeidung
  5. Verantwortung gegenüber der Umwelt und Wahrung natürlicher Ressourcen und der Biodiversität
  6. Verantwortungsvolle Berücksichtigung der Angestellten und betroffener Individuen und Gemeinden
  7. Verantwortungsvolle Erschließung von neuen Anbaugebieten
  8. Bekenntnis zur kontinuierlichen Verbesserung in Haupt-Arbeitsgebieten oder beim Einsatz von Agro-Chemikalien.

Weitere Informationen zu einer RSPO Zertifizierung finden Sie in unserem Factsheet: RSPO Factsheet

ISCC PLUS

ISCC PLUS

International Sustainability and Carbon Certification

Der International Sustainability and Carbon Certification (ISCC) Standard wurde entwickelt, um die Einhaltung der Nachhaltigkeitsanforderungen der Europäischen Erneuerbare Energien Richtlinie (EU RED) sowie der Deutschen Biokraft- und Biostrom-Nachhaltigkeitsverordnungen nachzuweisen. Neben der Zertifizierung von Biomasse und Bioenergie kann der Standard jedoch auch für die Nachhaltigkeitszertifizierung in den Bereichen Nahrungs- und Futtermittel, und der chemischen Industrie, und somit auch für die Zertifizierung von nachhaltigem Palm(kern)öl welches nicht als Bioenergie genutzt wird, angewendet werden (ISCC PLUS).

Der ISCC Standard ist seit Juli 2010 in Deutschland anerkannt (ISCC DE Standard). Die Anerkennung durch die EU-Kommission (ISCC EU Standard) erfolgte im Juli 2011 für alle Arten von Biomasse und Biokraftstoffen weltweit. ISCC PLUS wurde im Jahr 2012, speziell für die Produktion von Biomasse entwickelt welche nicht für energetische Zwecke eingesetzt wird. Das ISCC hat derzeit etwa 70 Mitglieder und wird von 27 unabhängigen Zertifizierungsunternehmen kontrolliert. Weltweit wurden nach aktuellem Stand ca. 2.600 Interessenhaltern aus 90 Ländern zertifiziert (Stand Juli 2014).

Folgende 6 Prinzipien müssen für die Zertifizierung durch ISCC PLUS eingehalten werden:

  1. Biomasse darf nicht auf Land mit hoher Biodiversität oder hoher Kohlenstoffspeicherkapazität angebaut werden. Besonders schützenswerten Flächen (High Conservation Value, HCV) müssen erhalten bleiben.
  2. Biomasse muss auf eine umweltfreundliche Art produziert werden. Dies beinhaltet den Schutz von Boden, Wasser, Luft und die Anwendung von guten landwirtschaftlichen Praktiken.
  3. Sichere Arbeitsbedingungen durch Fortbildungsmaßnahmen, Verwendung von Schutzkleidung und angemessene und schnelle Hilfeleistung bei Unfällen.
  4. Durch Biomasseproduktion dürfen keine Menschenrechte, Arbeitsrechte oder Landrechte verletzt werden. Biomasseproduktion sollte verantwortungsbewusste Arbeitsbedingungen, Gesundheit, Sicherheit und Wohlstand der Arbeitskräfte fördern und sollte auf einem verantwortungsvollen gesellschaftlichen Miteinander basieren.
  5. Biomasseproduktion soll in Übereinstimmung mit den regionalen und nationalen Gesetzgebungen erfolgen und relevante internationale Abkommen berücksichtigen.
  6. Gute Management Praktiken sollten umgesetzt werden.

Weitere Informationen zu der ISCC PLUS Zertifizierung finden Sie in unserem ISCC Factsheet.

Rainforest Alliance

Rainforest Alliance

Zertifzierung nach dem SAN Standard

Die Nichtregierungsorganisation Rainforest Alliance (RA) hat seinen Standard in den neunziger Jahren mit dem Sustainable Agriculture Network (SAN) - Netzwerk für Nachhaltige Landwirtschaft - ausgearbeitet. Das SAN ist eine Koalition gemeinnütziger, unabhängiger Umweltschutzorganisationen, die eine ökologisch und sozial nachhaltige Landwirtschaft durch Entwicklung von Standards fördern. Die Entwicklung des Standards und dessen Zertifizierungsregeln sowie deren Revision übernimmt das Sekretariat des SAN mit Sitz in San José, Costa Rica. Seit 1992 wurden über 1.100 Zertifikate für mehr als 400.000 Farmen in mehr als 30 Ländern ausgestellt. Diese Farmen, darunter kleine Farmen in Familienbesitz wie auch Plantagen, kultivieren auf 1.700.000 ha über 25 Nutzpflanzen, darunter vor allem Kaffee, Kakao, Bananen und Tee, aber auch die Ölpalme. Derzeit sind 10 Ölpalmen-Farmen nach dem Rainforest Alliance Standard zertifiziert (Stand: November 2013).

Die RA war bei der Entwicklung des RSPO Standards aktiv beteiligt und hat seinen Standard auch mit ISCC koordiniert, damit die verschiedenen Standards für den nachhaltigen Ölpalmenanbau so weit wie möglich harmonisiert werden. Ziel des SAN Standards der Rainforest Alliance ist es, landwirtschaftliche Betriebe dazu anzuhalten, Gefährdungen zu analysieren und in der Folge zu vermeiden, die in ökologischer und sozialer Hinsicht aus der Farmbewirtschaftung entstehen können. Der Standard basiert auf den Grundpfeilern gesunde Umwelt, soziale Gerechtigkeit, wirtschaftliche Lebensfähigkeit. Der SAN Standard gliedert sich in 10 Prinzipien und 99 Kriterien.

Folgende 10 Prinzipien müssen für eine Zertifizierung mit dem SAN Standard eingehalten werden:

  1. Verwaltungssystem für sozial- und Umweltmanagement
  2. Erhalt der Ökosysteme
  3. Schutz der Wildtiere
  4. Gewässerschutz
  5. Angemessene Behandlung der Arbeiter und gute Arbeitsbedingungen
  6. Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz
  7. Gute Beziehungen zu Gemeinden
  8. Integrierter Pflanzenschutz
  9. Bodenschutz und Bodenmanagement
  10. Integriertes Abfallmanagement

Weitere Informationen zu einer Rainforet Alliance Zertifizierung finden Sie in unserem Rainforest Alliance Factsheet.

RSB

RSB

Roundtable on Sustainable Biomaterials

Der Roundtable on Sustainable Biomaterials (Runder Tisch für Nachhaltige Biomaterialien -RSB) ist eine international Initiative, welche Produzenten, Unternehmen, Nichtregierungsorganisationen, Experten, Regierungen und Zwischenstaatliche Gesellschaften zusammenbringt, um die nachhaltige Produktion und Verarbeitung von Biomaterialien voranzutreiben.

Der RSB wurde im Jahr 2007 als "The Roundtable on Sustainable Biofuels" gegründet, um die Nachhaltigkeit von Bioenergie zu fördern. Am 18. März 2013 fand jedoch eine Namensänderung in "The Roundtable on Sustainable Biomaterials" statt, um der verstärkten Nachfrage nach Biomaterialien gerecht zu werden. Als Biomaterialien bezeichnet man Produkte welche aus Biomasse hergestellt werden. Hierzu zählen Bioenergie, wie flüssige Biokraftstoffe, aber auch Biomasse und Biogas für die Wärme- und Elektrizitätsherstellung. Auch Biokunststoffe, Kosmetik, Nahrungsmittelzusatzstoffe und biobasierte Chemikalien und Biokraftstoffe zählen zu den Biomaterialien.

Der RSB vergibt seit 2008 einen Standard für nachhaltig produzierte Biomaterialien, welcher auf 12 Prinzipien und 37 Kriterien beruht. Derzeit zählt der RSB 102 Mitglieder.

Folgende 12 Prinzipien müssen von den RSB-Mitgliedern eingehalten werden:

  1. Legalität
  2. Planung, Monitoring und kontinuierliche Verbesserung
  3. Treibhausgas-Emissionen
  4. Arbeits- und Menschenrechte
  5. Ländliche und soziale Entwicklung
  6. Lokale Ernährungssicherung
  7. Umweltschutz
  8. Boden
  9. Wasser
  10. Luft
  11. Nutzung von Technologien, Input und Abfallmanagement
  12. Landrechte

Weitere Informationen finden Sie auf der Webseite des RSB: http://rsb.org/