Was ist Palmöl?

Die Ölpalme

Palmöl wird aus den Früchten der Ölpalme (Elaeis guineensis) hergestellt und bereits seit über tausend Jahren in der menschlichen Ernährung verwendet. Ursprünglich in Westafrika beheimatet, wird die Ölpalme heute nahezu in allen Tropenregionen der Erde angepflanzt. Hauptanbaugebiete sind Indonesien und Malaysia. Hier wurden im Jahr 2015 insgesamt rund 53,5 Millionen Tonnen Palmöl (IndexMundi, 2016) produziert. Allein in Indonesien wachsen die Ölpalmen auf 8 Millionen Hektar – das entspricht beinahe der gesamten Anbaufläche Deutschlands. Allerdings nimmt ihre Verbreitung auch in Südamerika und Afrika immer mehr zu. IndexMundi zufolge ist die jährliche Palmölproduktion etwa in Brasilien im Zeitraum von 2002 bis 2015 von 120.000 auf 340.000 Tonnen gestiegen. Im Ranking der Palmöl-produzierenden Länder steht Brasilien damit auf Rang Zwölf.

Die Ölpalme ist eine vielseitig nutzbare Pflanze. Nach dem Anbau der Pflanze dauert es etwa drei bis fünf Jahre bis sie kommerziell voll nutzbar ist. Nach etwa vier bis sechs Jahren stabilisiert sich der Ertrag, erst ab dem 21. Jahr geht die Produktion langsam zurück. Die alten Palmen werden dann durch neue ersetzt. Eine adulte Ölpalme produziert ungefähr 15 Mal im Jahr Fruchtbüschel von mehr als 20 kg; die in großen und dichten Fruchtständen wachsen. Die hohe Produktivität der Ölpalme hat, neben anderen für die Industrie interessanten Eigenschaften, dazu geführt, dass diese heute die erfolgreichste aller Ölpflanzen ist: Mit durchschnittlich 3,69 Tonnen pro Hektar (t/ha) hat die Ölpalme den mit Abstand höchsten Ertrag aller Ölpflanzen (Auf der Ölspur, WWF). Zudem ist die Ölpalme robust und wenig anfällig für Schädlinge.

Sowohl aus dem Fruchtfleisch wie auch aus dem Kern der Ölpalmfrüchte werden wertvolle Öle gewonnen: Palmöl aus dem Fruchtfleisch und das feste Palmkernöl aus den Kernen der Früchte.

Von allen Ölfrüchten nimmt die Ölpalme den geringsten Teil, etwa 6 Prozent, der gesamten Anbaufläche für die weltweite Öl- und Fettgewinnung ein. Gleichzeitig stellt sie mit etwa 32 Prozent aber den größten Anteil der Gesamtproduktion. Sonnenblumen, Kokos oder Soja – ihr Flächenertrag ist durchschnittlich drei Mal geringer als der von Palmöl.

0,52 t/ha

0,77 t/ha

0,86 t/ha

1,33 t/ha

3,69 t/ha

Das Keimpflanzenstadium dauert etwa zwei Monate. Das Ende des Keimlingsstadiums wird mit der Bildung des sechsten Blattes angesetzt.

Nach dem Keimpflanzenstadium entstehen gespaltene Blätter, die zunehmend gefiedert sind. Die Anzahl der Fiedern nimmt bis ins Alter von 12 oder 15 Jahren zu.

Der Stamm der Ölpalme entwickelt sich erst, wenn die Palme 3 bis 4 Jahre alt ist. Pro Jahr kann sie bis zu 60 cm wachsen.

Im Alter von 3 Jahren trägt die Ölpalme Ihre ersten Früchte.

Die Ernte der Fruchtstände erfolgt mit einer langen Bambusstange, an deren Ende eine Art Sichel befestigt ist.

Die Ölpalme erreicht eine Höhe bis 30 Metern und kann bis zu 80 Jahre alt werden.

Palmöl

Palmöl wird aus dem gelblich bis orangefarbenen Fruchtfleisch gewonnen. Kurz vor der Ernte ist der Ölgehalt der Früchte am höchsten: Dann beträgt er zwischen 45 und 50 Prozent. Nach der Ernte werden die reifen Früchte sterilisiert und gepresst. Dabei entsteht das rohe Palmöl (Crude Palm Oil, CPO).

Palmöl vereinigt viele positive Eigenschaften: Es weist bei Zimmertemperatur eine feste Konsistenz auf, muss also nicht chemisch gehärtet werden. Darüber hinaus ist es geschmacksneutral, sehr hitzestabil, extrem haltbar und macht Lebensmittel besonders streichfähig. Diese Eigenschaften erklären, warum Palmöl in Margarine, Fertigprodukten, Back- oder Süßwaren gleichermaßen verwendet wird. Zudem wird Palmöl auch für die Herstellung von Kerzen, Kosmetikprodukten oder Waschmittel genutzt. Aufgrund dieser einzigartigen natürlichen Eigenschaften lässt sich Palmöl daher kaum durch andere Rohwaren ersetzen.

Beinahe 70 Prozent des weltweit produzierten Palmöls werden in der Lebensmittelproduktion eingesetzt. Weitere fünf Prozent werden als Bioenergie genutzt. Die restlichen 25 Prozent finden sich in Kosmetikprodukten, Waschmitteln, Kerzen oder als Schmierstoffe in der Industrie.

Die größten Palmölproduzenten der Welt: Malaysia und Indonesien

Laut United States Department of Agriculture (USDA, 2016) wurden in 2015 weltweit fast 59 Millionen Tonnen Palmöl produziert – etwas mehr als 20 Prozent davon stammen aus nachhaltiger Produktion. Dafür waren mehr als 17 Millionen Hektar Anbaufläche nötig. Das entspricht etwa 1,2 Prozent der weltweiten Ackerfläche. Die weltweit größten Produzenten von Palmöl sind neben Indonesien und Malaysia, Thailand, Kolumbien und Nigeria. Allein Indonesien und Malaysia liefern rund 85 Prozent des Palmöls auf dem Weltmarkt.

Nach Indien (22 Prozent) ist die Europäische Union mit 14 Prozent und 10 Millionen Tonnen der weltweit zweitgrößte Importmarkt für Palmöl (IDH, 2016) noch vor China (11 Prozent). Das meiste Palmöl im weltweiten Vergleich in Indien (9,1 Millionen Tonnen) und Indonesien (8,5 Millionen Tonnen) verbraucht. Hier wird Palmöl traditionell vor allem zum Braten und Kochen verwendet. Die EU ist der weltweit drittgrößte Verbraucher von Palmöl. Der direkte Import von Palmöl nach Deutschland liegt bei etwa 1,3 Millionen Tonnen im Jahr. Zusätzlich wurden weitere 600.000 Tonnen Palmöl als Bestandteil von End- und Zwischenprodukten nach Deutschland importiert. Der Gesamtverbrauch von Palmöl in Deutschland entspricht knapp zwei Prozent der Weltproduktion.

Fertiggerichte

In Fertiggerichten wird Palmöl vor allem wegen seiner Hitzebeständigkeit geschätzt.

Kuchen & Gebäck

Palmöl besitzt herausragende Eigenschaften wie ein optimales Schmelzverhalten

Brotaufstriche

Palmöl sorgt für die cremige Textur von Brotaufstrichen. Dabei ist es geschmacks- und geruchsneutral.

Seife & Kosmetik

In der Kosmetik wird Palmöl zumeist als waschaktive Substanz oder Emulgator eingesetzt

Kraftstofff

Für die Herstellung von Biosprit wird herkömmlicher Treibstoff mit Treibstoff aus pflanzlichen Rohstoffen wie Palmöl gemischt

Futtermittel

Der ausgepresste Kern der Palmölfrüchte wird als Palmkernschrot an Nutztiere verfüttert.

Palmkernöl

Obwohl sie aus derselben Frucht gewonnen werden, haben Palmöl und Palmkernöl sehr unterschiedliche Zusammensetzungen. Das Palmkernöl wird aufgrund seiner Konsistenz vor allem in der Süßwarenindustrie eingesetzt. Hoch geschätzt sind seine Eigenschaften als Trägerstoff für Aromen und Vitamine, die ohne Palmkernöl nicht in Lebensmittel eingebracht werden können. Ebenso wird es wegen seiner besonderen Eigenschaften – die sich bei anderen Pflanzenölen nur in Kokosöl finden – von der Kosmetik- und Waschmittelindustrie stark nachgefragt. Palmkernöl wird in Kosmetikprodukten wie Hautcreme und Lippenstift verwendet. Waschaktive Substanzen, die aus Palmkernöl gewonnen werden, stecken als sogenannte Tenside in Shampoos, Wasch- oder Reinigungsmitteln.

Wo wird Palmkernöl eingesetzt?

Dem United States Department of Agriculture (USDA, 2016) zufolge wurden in 2015 rund sieben Millionen Tonnen Palmkernöl produziert. Von dieser Menge hat Deutschland etwa 0,43 Millionen Tonnen direkt importiert. Weitere 0,09 Millionen Tonnen kamen indirekt durch End- und Zwischenprodukte nach Deutschland. Dies entspricht weniger als acht Prozent der weltweit gehandelten Menge. (MEO Carbon Solutions, 2016)
Über 120.000 Tonnen des nach Deutschland importierten Palmkernöls wurden auch hier verbraucht. Die größten Mengen davon wurden 2015 in den Sektoren Wasch-, Pflege- und Reinigungsmittel (WPR) sowie im Kosmetikbereich mit fast 80.000 Tonnen eingesetzt. Weitere Sektoren, in denen Palmkernöl Verwendung findet, sind die Bereiche Lebensmittel mit fast 30.000 Tonnen sowie die Chemie- und Pharmazie-Sektoren. Hier wurden in 2015 etwa 15.000 Tonnen Palmkernöl genutzt. Im Lebensmittelbereich ist der Verbrauch von Palmkernöl damit signifikant um fast 25.000 Tonnen im Vergleich zu 2013 zurückgegangen. Gleichzeitig stieg der Verbrauch von Palmkernöl in den Sektoren WPR und Kosmetik um etwa 10.000 Tonnen.

Palm(kern)öl-Derivate

Palm- oder Palmkernöl können durch aufwändige chemische Umwandlungsprozesse verändert werden. Dabei entstehen sogenannte Derivate, die beispielsweise als Tenside oder Emulgatoren in Kosmetika und Reinigungsmitteln eingesetzt werden. Emulgatoren bewirken, dass zwei eigentlich nicht miteinander mischbare Flüssigkeiten wie Öl und Wasser vermengt werden können. Bei Tensiden handelt es sich um waschaktive Substanzen. Derivate aus Palmöl und Palmkernöl sind marktübliche Inhaltsstoffe, für die es derzeit kaum verwendbare Alternativen mit vergleichbaren Eigenschaften gibt.