FONAP - NEWSLETTER II/2019   Sehr geehrte Palmölinteressierte, das Klima entscheidet über Regierungsb&

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FONAP-Newsletter II 2019

 

FONAP - NEWSLETTER II/2019

 

Sehr geehrte Palmölinteressierte,

das Klima entscheidet über Regierungsbündnisse – das ist sicher eine der Erkenntnisse der vergangenen Europa-Wahl. Wie sehr beeinflusst aber die Palmöl-Produktion das Klima? Immerhin beträgt die weltweite Anbaufläche des Pflanzenöls 21 Millionen Hektar! Das entspricht in etwa 1,3 Prozent der globalen Agraranbaufläche. Welchen CO2-Abdruck hinterlässt Palmöl? Die Berechnungen sind schwierig. Um das Thema einzugrenzen, haben wir unsere Gesprächspartnerin Dr. Jennifer Lucey gebeten, einen besonderen Blick auf nachhaltige Palmölproduktion zu werfen. Außerdem vergleicht das Forschungsinstitut für biologischen Landbau FIBL die Bioproduktion von Palmöl mit der des RSPO Standards. Die Grünen beziehen Stellung zum Thema Palmöl, die europäischen Palmölallianzen schließen sich zur Kampagne Sustainable Palm Oil Choice zusammen. Das FONAP wird sich in seiner aktuellen Projektphase schwerpunkthaft mit dem Thema Menschenrechte auseinandersetzten. Und, in einem Vergleich mit anderen Zertifizierungssystemen bekommt der RSPO die besten Noten.

Über dieses und mehr lesen Sie jetzt in unserem aktuellen FONAP-Newsletter. Weitere Nachrichten finden Sie wie immer auf unserem Twitter-Kanal.

Wir wünschen Ihnen viel Spaß. Ihr FONAP-Team.

 

 

Nachhaltiges Palmöl und das Klima

Interview mit Dr. Jennifer Lucey, Ökologin an der Universität Oxford

Jennifer Lucey hat sich dem tropischen Regenwald verschrieben. Sie erforscht seit Jahren den Artenreichtum und die Ökosysteme der Wälder um den Äquator. Zu ihrem Forschungsprofil gehört auch die Wirkungsmessung der Anforderungen des RSPO.

Frau Lucey, nicht nur in Deutschland wird der Klimawandel diskutiert und wie sich Treibhausgasemissionen verhindern lassen. Schauen wir uns die Palmölplantage an: Wie werden dort Treibhausgasemissionen gemessen?

Um die Treibhausgasemissionen von Palmölplantagen zu messen, bedarf es einer sogenannten Lebenszyklusbewertung („life cycle assessment“). Dabei werden die einzelnen Schritte bzw. Bestandteile innerhalb der Lieferkette, die hauptsächlich zur Treibhausgasemissionsbildung beitragen, identifiziert und im Hinblick auf ihre Emissionswerte analysiert. In der Palmölproduktion sind das beispielsweise Rodung von Regenwald zur Landgewinnung, Düngernutzung oder die Entsorgung von Prozesswasser und Palmfruchthüllen der Mühlen. Neben CO2 werden dabei auch andere Treibhausgase produziert, jedoch werden in der Regel die Emissionen in kg CO2 Äquivalenten pro kg Palmöl wiedergegeben.

Der RSPO nutzt zur Messung einen Treibhausgas-Rechner. Wie funktioniert der – wo liegen die Grenzen?

Der „RSPO GHG Calculator“ ist ein Tool, das genau für diesen Vorgang im Palmölsektor entwickelt wurde. Mit Hilfe dieser Anwendung können Farmer die während der Palmölproduktion verursachten Treibhausgasemissionen schätzen lassen und dabei die jeweiligen Treibhausgasursachen ermitteln. Dies soll als Orientierung dienen, um genau diese Ursachen nachhaltig und langfristig reduzieren zu können. Letzten Endes ist es jedoch leider nicht möglich, jedes kleinste Detail der Lieferkette abzubilden. Darüber hinaus können keine spezifisch lokalen Begebenheiten berücksichtigt werden. Das heißt, die Ergebnisse des „RSPO GHG Calculators“ können lediglich eine Schätzung der tatsächlich emittierten Treibhausgase abbilden.

Unterscheidet dieser Rechner zwischen nachhaltigen und nicht – nachhaltigen Palmölplantagen?

Grundsätzlich wäre es möglich, die Emissionen nicht-zertifizierter Plantagen mit dem THG-Rechner zu berechnen. In der Praxis wird der Rechner jedoch nur bei RSPO-Plantagen angewendet. Deshalb haben wir keine Vergleichswerte. Wir können aber ganz grundsätzlich feststellen, dass auf RSPO-zertifizierten Plantagen 30 Prozent weniger Entwaldung stattfindet. Da Landnutzungsänderungen die Hauptursache für Treibhausgasemissionen sind, deutet dies darauf hin, dass RSPO in diesem Bereich gewisse positiven Auswirkungen hat.

    Dr. Jennifer Lucey, Universität Oxford

Mit Blick auf Treibhausgas-Reduktionen: Könnten Sie uns eine ideale Palmölplantage beschreiben? Plus der dazugehörigen Lieferkette?

CO2-Neutralität wäre natürlich das Ideal. Dies würde bedeuten: keine Entwaldung oder Rodung von Mooren, eine wirksame Methangewinnung und Verwendung erneuerbarer Brennstoffe im Betrieb und eine verbesserte Energieeffizienz. Außerdem einen sorgfältigen Einsatz von Düngemitteln, die die Emissionen minimieren, sowie die Kompensation etwaiger erforderlicher Emissionen, z.B. über Waldrestaurierung. Einige Punkte sind realisierbar, andere nicht. Über die Lieferketten kann ich nicht so viel sagen, aber natürlich müssen die Transport- und Verarbeitungsemissionen minimiert und/oder ausgeglichen werden.

Wie wichtig ist das Thema Treibhausgasemissionen bei den Teilnehmern des Wertschöpfungsprozesses? Welchen Eindruck haben Sie?

Das spielt definitiv eine stärkere Rolle. Schauen sie sich einfach den RSPO P&C an. Dort erleben wir eine deutliche Stärkung des Klimaschutzes. Es darf nicht mehr auf Torf angebaut und schützenswerter Wald darf nicht für Palmöl geschlagen werden.

 

 

Menschenrechte und Palmöl

FONAP gibt Studie in Auftrag

Kinderarbeit, Vertreibungen, gefährliche Arbeitsbedingungen – dies sind nur einige Begriffe, die in Zusammenhang mit der Palmölproduktion fallen. Zertifizierungsstandards wie der Round Table of Sustainable Palm Oil RSPO adressieren viele menschenrechtliche Aspekte und zahlreiche Unternehmen haben mittlerweile eigene Menschenrechtsrichtlinien. Aber reicht das aus zur Erfüllung der menschenrechtlichen Sorgfaltspflicht der Unternehmen?

Um diese und andere Fragen näher zu beleuchten, widmet sich das Forum Nachhaltiges Palmöl FONAP in den nächsten Monaten noch intensiver dem Thema Menschenrechte und Palmöl.

Dafür arbeitet das FONAP mit dem Deutschen Institut für Menschenrechte zusammen. In einer Studie wird das Institut erarbeiten, welche menschenrechtlichen Risiken in der Palmölwertschöpfungskette besonders relevant sind und wie Unternehmen diesen begegnen können. „Bisher gibt es zahlreiche Studien und Handreichungen - allerdings fehlen Erkenntnisse, die sich speziell auf Palmöl und die Palmöllieferkette beziehen, und diese Lücke wollen wir mit der Studie schließen“, sagt Carla Dohmwirth, Mitarbeiterin im FONAP-Sekretariat.

Die Mitglieder des Forums sollen Hilfestellungen für die Umsetzung der Anforderungen des Nationalen Aktionsplans Wirtschaft und Menschenrechte (NAP) der Bundesregierung für den Bereich Palmöl erhalten. Mitgliedsunternehmen werden im gesamten Prozess der Erarbeitung der Studie eingebunden, um möglichst praxisrelevante Ergebnisse zu erzielen. Dazu werden auch Konsultationsworkshops angeboten. Erste Teilergebnisse der Studie werden auf der FONAP-Generalversammlung im Oktober 2019 in Berlin präsentiert.  

 

Bio oder RSPO, oder beides?

FiBL-Studie zu nachhaltigem Palmöl

Die Vorteile von Palmöl sind bekannt: Die Ölpalme produziert höhere Erträge als vergleichbare Ölpflanzen. Palmöl ist geschmacksneutral, hitzestabil und in der Herstellung günstiger als konkurrierende Öle. Die Kehrseite: Die Produktion von Palmöl hat sich in den letzten zehn Jahren mehr als verdoppelt. Die schnelle Expansion von Palmöl geht in vielen Fällen mit Entwaldung, Verlust an biologischer Vielfalt und Landbesitz einher.

Die nachhaltige Palmölproduktion greift diese Probleme auf – gehen Zertifizierungen weit genug und stellt gar der biologische Anbau die Lösung aller Probleme dar? Dieser Frage ging die Schweizer Sektion des Forschungsinstituts für biologischen Landbau (FiBL) nach. Finanziert wurde die Untersuchung von Coop und dem Schweizerischen Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO).

Die FiBL-Experten haben acht Palmölproduzenten in Afrika und Südamerika untersucht: drei biologisch zertifizierte Unternehmen, die ebenfalls RSPO-zertifiziert sind. Einen Betrieb mit einer Bio- und Fairtrade-Zertifizierung. Drei Unternehmen ohne jegliche Zertifizierung und ein ausschließlich RSPO-zertifiziertes Unternehmen.

Die Ergebnisse zeigten klare Unterschiede in den "Nachhaltigkeitswirkungen" der besuchten Unternehmen. Die konventionellen Betriebe erzielten insgesamt viel weniger "Nachhaltigkeitspunkte", obwohl sie wichtiges Einkommen für viele Hundert (Klein-)Bauern im ländlichen Raum durch die Verarbeitung der lokal produzierten Palmfrüchte generieren. Während das ausschließlich RSPO-zertifizierte Unternehmen eine durchschnittliche Bewertung erhält, aufgrund des gängigen Einsatzes von Mineraldüngern und Herbiziden, erhalten alle biozertifizierten Unternehmen, die ebenfalls entweder Fairtrade- oder RSPO-zertifiziert sind, "gute" und "sehr gute" Bewertungen. Sie schneiden in allen vier Nachhaltigkeitsbereichen 'Landnutzung', 'Ölqualität', 'soziale Effekte' und 'ökologische Auswirkungen' hoch ab.

Gründe dafür seien die höher angesetzten Preise für die zuliefernden Bauern, wichtige soziale Investitionen und die Anwendung von umweltschonenden Praktiken.

Die Studie zeige aber auch, dass der RSPO-Standard einen interessanten Mehrwert zur Biozertifizierung darstellt. "Wir sehen, dass RSPO verschiedene Anforderungen hat, die gerade im Palmölanbau wichtig sind, aber durch die Biozertifizierung nicht abgedeckt sind", sagt Paul van den Berge, ebenfalls an der Studie beteiligter FiBL-Experte. "RSPO-Audits tragen dazu bei, dass Palmölerzeuger ihre Ölfruchtpreise transparent kommunizieren, in die Abgrenzung und die Überwachung von Schutzgebieten und Biodiversitätsflächen investieren und dass alle arbeitsrechtlichen Vorschriften eingehalten werden – nicht nur für eigenes Personal, sondern auch für Angestellte von zuliefernden Bauern und Dienstleistungsfirmen."

Das FiBL bilanziert, dass biologisch erzeugtes Palmöl einen wichtigen Beitrag leisten könne in der nachhaltigen Entwicklung von ländlichen Regionen in den Tropen. Denn Ölpalmen benötigten 2½- bis 5-mal weniger Land als jede andere Ölpflanze, um die gleiche Menge an Öl zu produzieren.

 

 

Europäischer Aufruf zu 100 Prozent nachhaltigem Palmöl

EPOA startet Kampagne Sustainable Palm Oil Choice

Die Zeit tickt unerbittlich herunter. Ziemlich genau anderthalb Jahre bleiben Europa noch, um ausschließlich auf nachhaltig zertifiziertes Palmöl zu setzen. Im Rahmen der Amsterdam Deklaration hatte sich neben Frankreich, den Niederlanden unter anderem auch Deutschland dazu verpflichtet. Auf dem jährlichen Sustainable Palm Oil Dialogue im niederländischen Utrecht startete deshalb die europäische Palmöl Allianz EPOA am 14.06.2019 die Kampagne Sustainable Palm Oil Choice (SPOC).

Nachhaltiges Palmöl soll zur ersten Wahl werden! Teilnehmer der Initiative sind neben Unternehmen wie Cargill oder Fedepalma, Organisationen wie Solidaridad, Orangutan Land Trust auch das Forum Nachhaltiges Palmöl (FONAP).

EPOA-Vorsitzender Frans Claassen unterstrich in Utrecht, „dass wir Unternehmen, Händler und auch Konsumenten dahingehend unterstützen müssen, nur noch nachhaltiges Palmöl zu verwenden bzw. zu kaufen. Und wir schaffen das, indem wir die Wahrheit über nachhaltiges Palmöl sagen.“ Nachhaltigkeit sei gleichzusetzten mit Schutz von Regenwäldern und Biodiversität, so Claassen weiter.

Michelle Desilets vom Orangutan Land Trust pflichtet ihm bei: „Ich arbeite seit über 25 Jahren als Umweltaktivistin. Meine Herzensangelegenheit ist das Wohl der Orang-Utans. Blanker Palmölboykott wie zuletzt von einem britischen Einzelhändler gefordert, verurteilen wir. Wir setzten uns vielmehr ein für 100 Prozent nachhaltiges Palmöl in Europa.“

 Michelle Desilets vom Orangutan Land Trust in Utrecht

Im Zentrum der Kampagne steht ein Imagewandel. Die Vorteile von nachhaltig zertifiziertem Palmöl sollen in den Mittelpunkt gerückt werden und damit vor allem Handel und Produzent überzeugt werden. Weitere Boykottaufrufe oder ein Hinwenden zu anderen, weniger effektiven Pflanzenölen, soll damit vermieden werden.

Flankiert wird die neue Initiative durch einen aufwendig gestalteten Webauftritt, der die einzelnen Organisationen und Unternehmen in ihrem Streben nach nachhaltigem Palmöl portraitiert. Sustainable Palm Oil Choice freut sich über weitere Teilnehmer.

 

RSPO an der Spitze

Vergleich der Zertifizierungssysteme

Die niederländische Sektion der Internationale Union zur Bewahrung der Natur (IUCN) bescheinigt dem Roundtable of Sustainable Palm Oil die besten Noten unter den Palmöl-Zertifizierungssystemen. Die IUCN hat die führenden Nachhaltigkeitsstandards für Palmöl untersucht. Kriterien waren die Reduktion von Verlust an Biodiversität, Rückgewinnung von natürlichen Lebensräumen und Rückverfolgbarkeit. Der Bericht enthält auch Empfehlungen an Palmöl-Unternehmen, wie sie die Standards implementieren. Verglichen wurden SAN Sustainable Agriculture Network, International Sustainability and Carbon Certification ISCC und der malaysische MSPO und indonesische Standard ISPO. Der RSPO schnitt besonders gut ab bei Erhalt der biologischen Vielfalt als auch bei der Rückverfolgbarkeit. Der Generaldirektor des RSPO, Datuk Darrel Webber, freut sich über die Ergebnisse der Studie: „Das ist ein klares Signal an alle Unternehmen, auf den RSPO bauen zu können. Und die Studie gibt uns gute Hinweise, wie wir unseren Standard noch weiter verbessern können.“

Die gesamte Studie finden Sie hier.

 

 

Bundesregierung: Immer mehr Palmöl

Grüne setzen auf Zertifikate

Die Bundesregierung rechnet mit einer Ausweitung der globalen Palmölproduktion und befürchtet eine weitere Vernichtung von Regenwäldern. „Aufgrund der nahezu konkurrenzlosen Erträge wird das Interesse am Anbau von Palmöl eher noch zunehmen und sich auch in weiteren Ländern der Tropen ausweiten“, heißt es in einer Antwort des Bundeslandwirtschaftsministeriums auf eine Kleine Anfrage der Grünen- Bundestagsfraktion. Es sei deshalb wichtig, Anbaumethoden durchzusetzen, die keine Abholzung von Regenwäldern erfordern, so das Ministerium. Die Bundesregierung setzt deshalb auffreiwillige Selbstverpflichtungen der Unternehmen zur ausschließlichen Nutzung nachhaltigem Palmöls. Nachhaltig bedeutet, dass zum Beispiel Palmölplantagen nicht mehr auf schützenswerten Waldflächen angebaut werden dürfen. Deutsche Unternehmen entschieden sich zunehmend für Nachhaltigkeit. Die FONAP-Studien belegten, „dass der Anteil an nachhaltig zertifiziertem Palm(kern)öl in den letzten Jahren gestiegen ist.“, so die Regierung.

Die Grünen fordern unterdessen einen EU-weiten Importstopp für Palmöl, das auf früheren Regenwaldflächen angebaut wurde. „Wir brauchen eindeutige Zertifikate über die ökologische und soziale Nachhaltigkeit des verwendeten Palmöls sowie volle Transparenz und Rückverfolgbarkeit in den Lieferketten“, sagte die Parlamentarische Geschäftsführerin undnaturschutzpolitische Sprecherin der Grünen, Steffi Lemke. Außerdem müsse die Bundesregierung eine Strategie dafür vorlegen, wie der Verbrauch von Palmöl insgesamt reduziert werden könne.

Das meiste Palmöl wird in Indonesien und Malaysia produziert, gefolgt von Thailand und Kolumbien. Mehr als die Hälfte des nach Deutschland importierten Palmöls wird laut der FONAP-Studie zum Palmölmarkt 2017 für die Produktion von Biodiesel genutzt.

  Steffi Lemke, parlamentarische Geschäftsführerin, GRÜNE

Das komplette Statement von Steffi Lemke, parlamentarische Geschäftsführerin und naturschutzpolitische Sprecherin, zu Palmöl:

„Das Ausmaß des Palmölverbrauchs in Deutschland ist enorm. Doch mit der Palmölnutzung gehen gravierende Probleme einher - großflächige Regenwaldzerstörung mit massiven Klimaschäden und der Verlust von Biodiversität.Palmöl aus Regenwaldzerstörung hat in unseren Supermarktregalen nichts zu suchen. Wir brauchen einen klaren Rechtsrahmen, der zerstörerisches Palmöl vom deutschen und europäischen Markt fernhält. Auch in der öffentlichen Beschaffung hätte die Bundesregierung hier bereits deutliche Zeichen setzen können. Darüber hinaus brauchen wir eine Reduktionsstrategie für den Verbrauch von Palmöl in allen Sektoren. Die Bundesregierung muss nach der vollmundigen Ankündigung „100% nachhaltiges Palmöl bis 2020“ endlich handeln und sich für einen Importstopp von Palmöl aus Regenwaldzerstörung in die EU einsetzen. Wir brauchen eindeutige Zertifikate über die ökologische und soziale Nachhaltigkeit des verwendeten Palmöls sowie volle Transparenz und Rückverfolgbarkeit in den Lieferketten.“

 

Streit ums Palmöl

Französische Bauern wollen eigene Öle verkaufen

Der Ölkonzern Total hat Anfang Juli mit der Produktion von Biotreibstoffen in einer der größten Bioraffinerien Europas begonnen. Die Anlage steht in La Mède nahe Marseille. Demnach können dort jährlich 500.000 Tonnen "Biodiesel" und "Biojet" für Flugzeuge hergestellt werden. Wegen der geplanten Einfuhr von Palmöl liefen Bauern und Umweltaktivisten Sturm gegen die Raffinerie.


Biotreibstoffe werden unter anderem aus Pflanzenöl wie etwa Palmöl gewonnen. Letzteres machen Umweltschützer für die massive Vernichtung von Wäldern vor allem in Südostasien verantwortlich. Total hat angekündigt, jährlich bis zu 300.000 Tonnen Palmöl importieren zu wollen - zum großen Ärger auch der französischen Raps- und Sonnenblumenbauern. Total sagte ferner zu, pro Jahr mindestens 50.000 Tonnen französisches Rapsöl zu verwenden.


In der Raffinerie sollen Biotreibstoffe auf verschiedener Basis gewonnen werden: 60 bis 70 Prozent sollen durch die Umwandlung von Pflanzenölen etwa aus Raps, Sonnenblumen, Soja, Palmen und Mais hergestellt werden. Die restlichen 30 bis 40 Prozent sollen aus tierischen Fetten und Speiseöl produziert werden. Die größte französische Bauerngewerkschaft fordert ein Verbot von Palmöleinfuhren.

 

 

PRESSESCHAU

Deutschlandfunk – 16.06.2019

Schutz der Regenwälder - Wenig Nachfrage nach nachhaltigem Palmöl

https://www.deutschlandfunk.de/schutz-der-regenwaelder-wenig-nachfrage-nach-nachhaltigem.697.de.html?dram:article_id=451736

Spektrum der Wissenschaft - 06.07.2019

Naturschützer kaufen Plantage - Wie aus einer Monokultur von Ölpalmen in kurzer Zeit wieder ein Urwald entstehen soll

https://www.spektrum.de/news/regenwald-statt-palmoel-plantage-wiederaufforstung-kann-arten-retten/1656952

Agrarheute.de20.06.2019

Verdrängt Palmöl immer mehr Rapsöl in Biodiesel? Das Tropenöl war zeitweise günstiger als Dieselkraftstoff

https://www.agrarheute.com/markt/marktfruechte/guenstiges-palmoel-macht-raps-probleme-554609

 

Freemalaysiatoday.com - 09.07.2019

Government pushing for 100% sustainably-produced palm oil by 2020, says minister

https://www.freemalaysiatoday.com/category/nation/2019/07/09/govt-pushing-for-100-sustainably-produced-palm-oil-by-2020-says-minister/

 

Malaymail.com - 08.07.2019

Malaysia to draw up strategies to combat anti-palm oil campaign, says deputy minister

 https://www.malaymail.com/news/malaysia/2019/07/08/malaysia-to-draw-up-strategies-to-combat-anti-palm-oil-campaign-says-deputy/1769454

 

Innovation Forum – 12.06.2019

Are there really any alternatives to palm oil?

https://www.innovationforum.co.uk/articles/are-there-really-any-alternatives-to-palm-oil