Zertifizierungsysteme

Im Folgenden finden Sie einen Überblick über die vom FONAP akzeptierten Zertifizierungssysteme. Unser Factsheet Vergleich der Zertifizierungssysteme bietet Ihnen darüber hinaus die Möglichkeit, die unterschiedlichen Systeme miteinander zu vergleichen.

RSB Roundtable on Sustainable Biomaterials

Der Roundtable on Sustainable Biomaterials (Runder Tisch für Nachhaltige Biomaterialien -RSB) ist eine internationale Initiative, welche Produzenten, Unternehmen, Nichtregierungsorganisationen, Experten, Regierungen und zwischenstaatliche Gesellschaften zusammenbringt, um die nachhaltige Produktion und Verarbeitung von Biomaterialien voranzutreiben. Derzeit zählt der RSB rund 100 Mitglieder.

Der RSB wurde im Jahr 2007 als „The Roundtable on Sustainable Biofuels" gegründet, um die Nachhaltigkeit von Bioenergie zu fördern. Um der steigenden Nachfrage nach Biomaterialien gerecht zu werden, wurde der Runde Tisch Anfang 2013 in „The Roundtable on Sustainable Biomaterials" umbenannt. Als Biomaterialien bezeichnet man Produkte, welche aus Biomasse hergestellt werden. Hierzu zählen Bioenergie wie flüssige Biokraftstoffe, aber auch Biomasse und Biogas für die Wärme- und Elektrizitätsherstellung. Auch Biokunststoffe und -Kosmetik, -Nahrungsmittelzusatzstoffe, biobasierte Chemikalien oder Biokraftstoffe zählen zu Biomaterialien.
Seit 2008 vergibt der Roundtable on Sustainable Biomaterials einen Standard für nachhaltig produzierte Biomaterialien, welcher auf 12 Prinzipien und 37 Kriterien beruht.
Folgende 12 Prinzipien müssen von den RSB-Mitgliedern eingehalten werden:

  1. Legalität
  2. Planung, Monitoring und kontinuierliche Verbesserung
  3. Treibhausgas-Emissionen
  4. Arbeits- und Menschenrechte
  5. Ländliche und soziale Entwicklung
  6. Lokale Ernährungssicherung
  7. Umweltschutz
  8. Boden
  9. Wasser
  10. Luft
  11. Nutzung von Technologien, Input und Abfallmanagement
  12. Landrechte

Weitere Informationen zur Arbeit, den Kriterien und Anforderungen des RSB finden Sie hier.

RSPO Roundtable on Sustainable Palm Oil

Der 2004 auf Initiative des WWF gegründete Roundtable on Sustainable Palm Oil (RSPO) ist ein internationaler Zusammenschluss aus Palmölproduzenten, Händlern, Industrieunternehmen, Banken und Nichtregierungsorganisationen. Der RSPO wurde mit dem Ziel gegründet, einen nachhaltigen Standard für Palmöl zu entwickeln und das Engagement der verschiedenen Interessensgruppen zu bündeln sowie weiter voranzutreiben. Die Interessengruppen entstammen sieben unterschiedlichen Sektoren der Palmölindustrie: Palmölproduzenten, Palmöl verarbeitende Industrie und Händler, Hersteller von Konsumgütern, Einzelhändler, Banken und Investoren sowie Nichtregierungsorganisationen mit umwelt- und sozialem Hintergrund.

Seit 2008 sind erste Mengen zertifiziertes Palm(kern)öls kommerziell verfügbar. Im Jahr 2015 waren rund 11 Millionen Tonnen Palmöl durch den RSPO zertifiziert. Dies entspricht fast 20 Prozent des auf dem Weltmarkt verfügbaren Palmöls. Kein anderes Zertifizierungssystem hat diese Reichweite. Deutschland ist mit fast 400 Mitgliedern eines der am stärksten vertretenen Länder im RSPO (insgesamt mehr als 3.100 Mitglieder).

Der RSPO hat acht Prinzipien und 43 praktische Kriterien (RSPO P&C) zur Definition einer nachhaltigen Produktion von Palmöl entwickelt. Diese globalen Richtlinien sollen gewährleisten, dass die Grundrechte der indigenen Landbesitzer, der Gemeinschaften vor Ort, der Mitarbeiter in den Anbaubetrieben, der Kleinbauern und deren Familien respektiert und in vollem Umfang berücksichtigt werden. Darüber hinaus verpflichten sich die Mitglieder des RSPO, dass keine weiteren Regenwaldareale oder schützenswerte Gebiete für die Produktion von Palmöl gerodet werden. Zudem legen die Prinzipien und Kriterien fest, dass Mühlen und Anbaubetriebe ihre Umweltbelastungen so gering wie möglich halten.

Folgende acht Prinzipien müssen von den RSPO-Mitgliedern eingehalten werden:

  1. Bekenntnis zu Transparenz
  2. Einhaltung von Gesetzen und sonstigen rechtlichen Bestimmungen, zum Beispiel die rechtmäßige Nutzung von Anbauflächen
  3. Bekenntnis zu langfristiger wirtschaftlicher Tragfähigkeit
  4. Anwendung angemessener, bewährter und vorbildlicher Methoden durch anbauende Betriebe und Mühlen, zum Beispiel zur langfristigen Wahrung der Bodenfruchtbarkeit und Erosionsvermeidung
  5. Verantwortung gegenüber der Umwelt und Wahrung natürlicher Ressourcen und der Biodiversität
  6. Verantwortungsvolle Berücksichtigung der Angestellten und betroffener Individuen und Gemeinden
  7. Verantwortungsvolle Erschließung von neuen Anbaugebieten
  8. Bekenntnis zur kontinuierlichen Verbesserung in Haupt-Arbeitsgebieten oder beim Einsatz von Agro-Chemikalien

Um die Umsetzung strengerer Kriterien zu forcieren, hat der RSPO im Februar 2016 die freiwillige Initiative „RSPO NEXT“ ins Leben gerufen. Die RSPO NEXT-Zertifizierung umfasst zusätzliche und freiwillige Kriterien, deren Einhaltung von unabhängigen Prüfinstituten kontrolliert wird. Zu diesen Kriterien gehört vor allem eine Richtlinie gegen weitere Entwaldung, der zufolge Palmölplantagen nur in Gebieten angelegt werden dürfen, in denen Vegetation und Boden wenig Kohlenstoff enthalten. Ein Anbau von Ölpalmen auf Torfland wird entsprechend ebenfalls untersagt. Verbindlich sind zudem die Achtung der Rechte von Kleinbauern und Arbeitern sowie die Entwicklung von Förderprogrammen, um sie dabei zu unterstützen, nachhaltig zu wirtschaften und unternehmerische Kompetenz zu gewinnen. Wichtige Anliegen von RSPO NEXT sind außerdem eine erhöhte Transparenz und verbesserte Nachverfolgbarkeit.

ISCC International Sustainability and Carbon Certification

Der International Sustainability and Carbon Certification (ISCC) Standard wurde im Jahr 2006 in einem Multi-Stakeholder Prozess mit Vertretern aus der Landwirtschaft, der verarbeitenden und veredelnden Industrie, Händlern sowie ökologisch und sozial agierenden Nichtregierungsorganisationen entwickelt. Der Standard hat das Ziel, ökologische und soziale Nachhaltigkeitskriterien für alle Arten von landwirtschaftlichen Rohstoffen zu etablieren.

Unter anderem wird die Einhaltung der Nachhaltigkeitsanforderungen der Europäischen Union (Erneuerbare Energien Richtlinie - EU RED) sowie der deutschen Bundesregierung (Deutschen Biokraft- und Biostrom-Nachhaltigkeitsverordnungen - Biokraft-NachV) im Bereich Biomasse und -energie mit Hilfe des International Sustainability and Carbon Certification-Standards (ISCC) überprüft. Darüber hinaus kann der Standard auch für die Zertifizierung von nachhaltigem Palm(kern)öl genutzt werden (ISCC PLUS).

Der ISCC-Standard ist seit Juli 2010 in Deutschland anerkannt. Die Anerkennung durch die EU-Kommission (ISCC EU Standard) erfolgte im Juli 2011 für alle Arten von Biomasse und Biokraftstoffen weltweit. Das neue System ISCC PLUS wurde 2012 vorgestellt und bietet den bereits unter ISCC DE und ISCC EU zertifizierten Systemnutzern die Möglichkeit, ihre Nachhaltigkeitszertifizierung auf andere Verwendungsbereiche wie Nahrungs- und Futtermittel auszuweiten. Heute gehört ISCC zu den erfolgreichsten Zertifizierungssystemen weltweit. Für mehr als 3.000 Systemnutzer wurden bereits über 12.908 Zertifikate in 100 Ländern ausgestellt. 33 unabhängige Zertifizierungsstellen kontrollieren die Anforderungen des ISCC Standards. Die Interessen der unterschiedlichen Stakeholder werden im gemeinnützigen Verein ISCC e.V. mit derzeit 86 Mitgliedern (Oktober 2016) gebündelt. Nach aktuellem Stand hat ISCC rund 2.813 gültige Zertifikate in 100 Ländern vergeben.
Folgende sechs Prinzipien müssen für die Zertifizierung durch ISCC PLUS eingehalten werden:

  1. Schutz und Erhalt von Flächen (High Conservation Value, HCV) mit hoher Biodiversität oder hoher Kohlenstoffspeicherkapazität
  2. Landwirtschaftliche Produktion unter Einhaltung von guten landwirtschaftlichen Praktiken. Dies beinhaltet den Schutz der Bodenfruchtbarkeit, der Wasserqualität und -quantität, der Minderung von Emissionen sowie die Minimierung des Einsatzes von Pflanzenschutzmitteln
  3. Sichere Arbeitsbedingungen durch Fortbildungsmaßnahmen, Verwendung von Schutzkleidung sowie angemessene und schnelle Hilfeleistung bei Unfällen
  4. Einhaltung der Menschen-, Arbeits- und Landrechte sowie Sicherstellung verantwortungsvoller Arbeitsbedingungen, Gesundheit, Sicherheit und Wohlstand der Arbeitskräfte und der indigenen Bevölkerung
  5. Einhaltung der regionalen und nationalen Gesetzgebungen sowie relevanter internationaler Abkommen
  6. Einhaltung von Guten Management

Weitere Informationen zur Zertifizierung mit ISCC PLUS finden Sie in unserem Factsheet.

RAINFOREST ALLIANCE Zertifizierung nach dem SAN-Standard

Gemeinsam mit dem Sustainable Agriculture Network (Netzwerk für Nachhaltige Landwirtschaft - SAN) hat die Nichtregierungsorganisation Rainforest Alliance (RA) ihren Standard in den 1990er Jahren ausgearbeitet. Die Rainforest Alliance war bereits bei der Entwicklung des RSPO Standards aktiv beteiligt und hat ihren Standard auch mit ISCC koordiniert, um die verschiedenen Standards für einen nachhaltigen Ölpalmenanbau soweit wie möglich zu harmonisieren.

Das SAN ist eine Koalition gemeinnütziger, unabhängiger Umweltschutzorganisationen, deren Ziel eine ökologische und sozial nachhaltige Landwirtschaft ist. Dazu gehört es, konventionelle Intensiv-Bewirtschaftung von Land auf nachhaltigere, gute agrarische Praktiken umzustellen. Die Zertifizierung umfasst Maßnahmen wie regelmäßige Trainings von tropischen Farmern im ländlichen Raum, eine kontinuierliche technische Unterstützung oder die Zertifizierung gemäß SAN-Standard. Der SAN-Standard basiert auf den drei Grundpfeilern „gesunde Umwelt“, „soziale Gerechtigkeit“ und „wirtschaftliche Lebensfähigkeit“ und umfasst 10 Prinzipien sowie 100 Kriterien.

Seit 1992 wurden so bereits über 1,2 Millionen Farmen in 42 Ländern Rainforest-Alliance-zertifiziert. Diese Farmen, darunter vor allem kleinere Farmen in Familienbesitz wie auch Plantagen, kultivieren auf 3,5 Millionen Hektar über 100 Nutzpflanzen - darunter vor allem Kaffee, Kakao, Bananen und Tee, aber auch die Ölpalme. (Stand: Mai 2016).

Der SAN-Standard gliedert sich in 10 Prinzipien und 100 Kriterien. Folgende 10 Prinzipien müssen für eine Zertifizierung mit dem SAN-Standard eingehalten werden:

  1. Verwaltungssystem für Sozial- und Umweltmanagement
  2. Erhaltung der Ökosysteme
  3. Schutz der Wildtiere
  4. Gewässerschutz
  5. Angemessene Behandlung der Arbeiter und gute Arbeitsbedingungen
  6. Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz
  7. Gute Beziehungen zu Gemeinden
  8. Integrierter Pflanzenschutz
  9. Bodenschutz und Bodenmanagement
  10. Integriertes Abfallmanagement

Weitere Informationen zu einer Rainforest-Alliance-Zertifizierung finden Sie in unserem Factsheet.